Wie DIE ZUKUNFT IST BESSER ALS IHR RUF ihren Weg in die Welt fand

ZUKUNFT_BLOG_ICON

Mich fasziniert es jedes Mal, wie aus dem Zusammenspiel unglaublich vieler Menschen und teilweise nicht planbarer kreativer Prozesse schlussendlich etwas entsteht, das für mich so nicht vorhersagbar gewesen wäre. Ich habe das immer wieder erlebt und wieder stehe ich am Ende staunend da.

DIE ZUKUNFT IST BESSER ALS IHR RUF ist so ein Beispiel. Ein kollektiver Dokumentarfilm, der in einem ziemlich langen und komplexen ko-kreativen Prozess entstanden ist.

Die Idee und Initiative kommt vom Produzenten Michael Kitzberger, der das Projekt gestartet und mehrere RegisseurInnen eingeladen hat ihnen nahestehende Menschen zu portraitieren, die sie in ihrem Engagement inspirieren. Eine der RegisseurInnen war Nicole Scherg, mit der ich damals gerade an ihrem Film DAS LEBEN IST KEINE GENERALPROBE arbeitete. Nicole hatte schon in der Konzepterstellungsphase mitgewirkt und sie lud mich kurzerhand ein, in der Episode über Judith Schachinger und ihr Speiselokal gemeinsam Regie zu führen.

Ein Jahr später waren bereits einige – sehr heterogene – Portraits entstanden und daher stellte sich die Frage, wie daraus ein in sich stimmiger Film werden könnte. Zu diesem Zeitpunkt stieg ich intensiver ins Projekt ein, suchte gemeinsam mit Michi nach weiteren ProtagonistInnen und RegisseurInnen und bekam immer mehr das Gefühl, so eine Art Ziehmutter für das Projekt zu werden. Ich drehte das Portrait über Rita Trattniggs Arbeit mit den BürgerInnen-Räten und besuchte Anna Heringer auf verschiedenen Lehmbaustellen.

Oft waren Sebastian Arlamovsky als Kameramann und Simon Graf als Tonmann dabei und wir wurden auf unseren Reisen durch Österreich zu einem gut eingespielten Team. Im BürgerInnen-Rat gelang es uns so unaufdringlich anwesend zu sein, dass sich Sebastian mit der Kamera mittendrin ganz frei bewegen konnte und niemand sich gestört fühlte. Er hat dort eine Meisterleistung der Bildgestaltung vollbracht: Sebastian hat es geschafft, die Interaktion redender Menschen in einem Sesselkreis samt Flipchart-Notizen spannend zu filmen! Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ;). Ich war schwer beeindruckt als ich das ganze Material zu Hause durchgeschaut hatte und freue mich jedes Mal, wenn ich im fertigen Film diese Stelle sehe: Rita macht lachend, im Gespräch mit einer Teilnehmerin, Notizen zu politischer Kultur auf dem Flip, gleichzeitig pendelt der Fokus der Kamera zwischen beiden hin und her. Einfach fein.

Später begleitete ich noch meine Regiekollegin Gabi Schweiger einige Tage als Tonfrau nach Eisenstadt zur Pannonischen Tafel . Ich hatte die Protagonistin Andrea Roschek durch Zufall bei meinen Recherchen im Internet entdeckt und gar nicht bemerkt, dass wir uns eigentlich schon kannten. Beim Dreh fielen wir uns dann in die Arme und es war sehr berührend sie im Interview über den Tod ihrer Töchter reden zu hören. Sandra und Julia waren mit mir zur Schule gegangen und ich hatte sie nur wenige Stunden vor ihrem Autounfall auf einer Party nach langer Zeit wieder gesehen. Das war für mich einer der emotionalsten Momente der ganzen Drehzeit…

Es gab darüber hinaus noch weitere Portraits, in denen ich mitwirkte, die nun aber doch nicht im Film zu sehen sind. So ist es nämlich fast immer im Dokumentarfilm: Man dreht unglaublich viel und dann zeigt sich im Schneideraum, welcher Film sich daraus formiert. Dabei kam es vor allem darauf an, welche ProtagonistInnen thematisch ein für uns sinnvolles Ganzes ergaben. In diesem Fall ist es natürlich besonders schade, dass dadurch manche RegiekollegInnen, deren Arbeit ich sehr schätze (u. a. Wilma Calisir, Fritz Ofner und Anna Katharina Wohlgenannt), jetzt nicht mehr mit ihren Episoden im Film vertreten sind.

Nachdem wir durch den Vorschnitt von Regiekollege Niko Mayr ein erstes Gefühl für das Material bekommen hatten, übernahm Wolfgang Widerhofer den weiteren Schnittprozess. Irgendwann fragte ich mal vorsichtig, ob ich denn zuschauen dürfte beim Schneiden. Ich wusste, dass Wolfgang – der viele der bekannten Dokumentarfilme von Nikolaus Geyrhalter geschnitten hat – normalerweise gerne alleine arbeitet. Es war eine für mich einmalige Gelegenheit, ihm mal bei der Arbeit über die Schulter zu schauen, doch es stellte sich heraus, dass ich auch etwas beitragen konnte. Außer Niko waren wir die Einzigen, die wirklich das komplette Material von vorn bis hinten kannten. Von ausufernden Gesprächen begleitet tauchten wir monatelang in das Wirken der ProtagonistInnen ein. Dabei begann nicht nur der Film eine neue Form anzunehmen. Besonders während der Sichtung der extrem lehrreichen Vorlesungen von Walter Ötsch setzte ich in gewisser Weise auch meinen Blick auf historische Entwicklungen und das aktuell dominante finanzkapitalistische Wirtschaftssystem neu zusammen. Was ich in diesen unzähligen Stunden im Schneideraum mit Wolfgang über das Dokumentarfilmemachen und über Weltveränderungsansätze gelernt habe, wird mich wohl mein Leben lang begleiten.

Während der gesamten Schnittzeit kam Michi oft dazu und wir beratschlagten zu dritt, wie es weitergehen könnte. Es kristallisierte sich heraus, dass wir die Anzahl der ProtagonistInnen auf sechs reduzieren mussten (es waren fünfzehn Episoden gedreht worden) und dass wir einen gemeinsamen Rahmen brauchten, der die Episoden zusammenhält und in eine Gesamterzählung einbettet. Im Sommer 2016 zog ich samt Kamerateam los und besuchte alle sechs ProtagonistInnen für den Dreh der Eingangsstatements. Mit den wunderbaren Kompositionen von Federspiel und den feinen Animationen von Lily Ammann wurde der Film nun endlich „rund“ und auch meine Regie-KollegInnen Niko Mayr, Gabi Schweiger und Nicole Scherg waren nach letzten Feedback-Schleifen mit dem Ergebnis zufrieden.

Doch all das wäre nicht so möglich gewesen ohne noch mehr Menschen, die ganz wichtige Dinge beigetragen haben (und die dabei oft unerkannt bleiben): Barbara Kern, die immer die Zahlen im Blick hat, unsere über die Jahre hinweg wechselnden ProduktionsassistentInnen Katharina Posch, Flavio Marchetti, Daniela Patz und Lixi Frank, die unsere Drehs organisiert haben, Thomas Cervenca, der unzählige Stunden Material für uns synchronisiert und doppelt gesichtert hat, Silvia Burner, die nun dem Film mit ganz viel Liebe fürs Detail zur Sichtbarkeit verhilft, Markus Glaser und viele andere Menschen, die uns wertvolles Feedback zu unseren verschiedenen Rohschnitten gegeben haben, … Für die vollständige Liste bitte ich am Ende des Films ganz in Ruhe sitzen zu bleiben und die vielen Namen auf sich wirken zu lassen. ;)

Jetzt freu ich mich jetzt schon sehr auf den Kinostart am 12. Mai und auf all die Gespräche, die dieser Film anstoßen wird – über unsere Kraft als Zivilgesellschaft, über die Zukunft, für die wir uns einsetzen, und über so viel mehr Menschen, die in diesem Sinne schon auf ihre ganz eigene Art und Weise aktiv sind.

Bis bald im Kino!

Kinostart österreichweit: 12. Mai 2017

LINKS:

 

5 thoughts on “Wie DIE ZUKUNFT IST BESSER ALS IHR RUF ihren Weg in die Welt fand”

  1. gtr
     ·  Antworten

    Jetzt bin ich aber gespannt auf den Film …
    danke für dein Engagement

  2. Wolfgang Pachta
     ·  Antworten

    Hallo Teresa!
    Ich wünsch‘ Dir und Euch viel Erfolg mit dem Film und den dahinter stehenden Gedanken – auch ich sehe in der Zukunft das Positive, das Realitäten (zwar) anerkennen muss, aber gerade darin die Chance sieht, vermeintlichen „negativen Tendenzen“ eine „positive Aussicht“ zu geben.
    Wolfgang – Dörflein 3

    • Teresa Distelberger
       ·  Antworten

      Lieber Wolfgang, Danke für dein Kommentar. Ich hoffe wir sehen uns am 8.5. zur Premiere in St. Pölten! Bis bald im Dörflein… ;)

  3. Irene
     ·  Antworten

    Liebe Frau Distlberger,

    Für Sie und alle Beteiligten ein großes DANKE für diesen Film!! Wunderbar, zutiefst herzberührend und ein Impulsgeber und Mutmacher auch für das Denken!

    Das ist für mein Gefühl ein perfektes Beispiel von „art of co“ ! Euer Zusammenhalt und die im Laufe der Produktion gewachsenen Beziehungen waren so deutlich spürbar und die Atmosphäre hat uns sehr bewegt.

    Mit Begeisterung und herzlichen Grüßen, Irene A.

    • Teresa Distelberger
       ·  Antworten

      Liebe Frau Ammerer,
      dieses Feedback freut mich sehr. Vielen Dank für die Begleitung während so manchen Hochs und Tiefs während der ganzen Entstehungsphase! So schön, dass Sie bei der Premiere dabei sein konnten!
      Herzliche Grüße
      Teresa

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*